Durch 300 Millionen Jahre Erdgeschichte und zu Goldlagerstätten der Hohenzollern

3:40 h 381 hm 10,8 km easy

Goldkronach, Deutschland

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Die Wanderempfehlung führt vom Marktplatz Goldkronach über den Goldberg zur Lichtenburg und zum Goldenen Hirsch, weiter zum FGV-Vereinsheim Nemmersdorf und schließlich durch die Kellergasse zum Museum in Goldkronach. Das sind ca. 11,5 km. Es kann aber auch an mehreren Stellen abgekürzt werden. Alle nach Süden und Westen talwärts gerichteten Wege führen nach Goldkronach. Die Themenwanderung „Geologie - Fränkische Linie - Goldbergbau“ verläuft rund um das Kronachtal zu Besonderheiten dieser Landschaft – zu den sichtbaren Spuren der tektonischen Kräfte, die seit Jahrmillionen das heutige Europa geschaffen haben. Sie führt zu Stationen, an denen hier beschriebene Sachverhalte zu erkennen und zu besichtigen sind. Weitere Erläuterungen erhalten Sie im zweiten Teil des Wandertipps.

Die „Wohlfühlregion Fichtelgebirge“, der „Bayerisch–Böhmische Geopark“ und die Stadt Goldkronach haben an mehreren Stellen Infotafeln mit ausführlichen Texten und Bildern aufgestellt. Alle Wege sind mit normalem, festem Schuhwerk gut zu begehen. Im ersten Abschnitt verläuft die Tour auf Asphalt, was den anspruchsvollen Wanderer missfallen mag. Er wird dafür mit hochinteressanten, allgemein verständlichen Informationen zur Erdgeschichte und zum Bergbau mehr als reichlich entschädigt.

Die Wanderung beginnt am Markt (Geopunkt 13). Sie gehen auf der Bernecker Straße Richtung Norden bis zum Abzweig „Am Leisauer Berg“ und weiter zur Katholischen Kirche. Das sind etwa 400 m. Dort können Sie die Infostelle „Fränkische Linie“ (Geopunkt 8) besuchen und an einem beweglichen Modell die Aufschiebung des Grundgebirges simulieren. Der Blick gen Süden geht über das Deckgebirge Richtung Nemmersdorf.

Von hier aus führt der Weg zurück zur Hauptstraße. Sie überqueren diese und gehen an der Friedhofsmauer entlang Richtung Ottenleite dem Rundwanderweg 3 folgend zum Steinbruch (Geopunkt 7). Auch hier erfahren Sie viel durch eine Infotafel. Steigen Sie einige, der mit Knüppeln befestigten Stufen hoch, so können Sie im Fels eine ca. 6 cm breite Kluft sehen. Mit vielen kleinen Klüften ist das Gebirge hinter der „Fränkischen Linie“ durchsetzt, was für die Bildung von Goldlagerstätten mit zeitlich begrenzter reicher Ausbeute von Bedeutung war.

Ab dem Markt sind das jetzt etwa 1,2 km. Weitere 600 m bergauf der Asphaltstraße folgend kommen Sie zur „Goldenen Aussicht“ (Geopunkt 6). Wieder erwartet Sie neben einer Infotafel auch eine Sitzgelegenheit. Nach dem Rundblick wird der Rundwanderweg 3 verlassen. Es geht nun die Straße in Richtung Brandholz hinab. Nach ca. 400m sehen Sie rechts an einem ansteigenden Waldweg einen kleinen Aufschluss. Hier stehen die Schieferplatten wie die Seiten eines aufgerichteten Buches senkrecht. Gehen Sie 120 m weiter bergab bis zu einem Anwesen. Hier haben Sie einen schönen Blick über Brandholz, die ursprüngliche Bergbauregion. Dort zweigt in einer leichten Linkskurve nach rechts ein befahrbarer, unmarkierter Forstweg, dem Sie bis zum Hinweis „Oberer Tannenschacht“ folgen, ab. Der Blick in den Schacht zeigt auf eine Tiefe von etwa acht Meter steil einfallende Schieferplatten. Man kann sich vorstellen, in welcher Nässe die Bergleute unter dem direkt nach unten abfließenden Wasser gearbeitet haben müssen. Nun geht es auf dem eingeschlagenen Weg weiter Richtung Osten bis zu den ersten Häusern Beerflecks. Dort treffen Sie auf einen markierten Wanderweg. Auf ihm verlaufen der Westweg, der Südweg, der  schon bekannte Rundwandweg 3 und der von Bad Berneck kommende Zuweg zum Fränkischen Gebirgsweg parallel. Dieser Weg bringt Sie bergauf zum kreuzenden Fränkischen Gebirgsweg (stilisierter Gebirgszug auf rotem Grund). Sie befinden sich nun auf Höhe des Naturdenkmals „Fürstenstein“, einen Abstecher dorthin - es sind lediglich 100 m Richtung Osten - sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Danach geht es auf dem Fränkischen Gebirgsweg wieder zurück und auf ihm gen Westen weiter bis zum Informationshaus für die Goldlagerstätte am „Vorderen Goldberg“. Viele Erläuterungen erwarten Sie. An Wochenenden ist ein kleiner Imbiss möglich. Hinter dem Haus neben den Toiletten ist mit dem Bau des Hauses ein keiner Aufschluss entstanden. Steil stehender, von etlichen Quarzadern durchzogener Schiefer zeigt an, wonach die Bergleute suchten.

Die Wegstrecke bis hierher beträgt etwa 4 km. Wer die zu empfehlende Schleife über den Tannenschacht auslassen möchte, der kann von der Goldenen Aussicht direkt zum Informationshaus laufen (Rundwanderweg 3, blaue Linie im Wandertipp) und dabei gute 1,5 km einsparen. Von hier geht es dann auf dem Fränkischen Gebirgsweg weiter, vorbei an den Zeugen des ehemaligen Bergbaus. Infotafeln bzw. Hinweisschilder weisen auf die Sehenswürdigkeiten hin. Von den vielen Bergwerken sind zwei für den Besucher zugänglich. Es sind dies das Goldbergwerk „Name Gottes“ (Mittlerer Stollen) und die „Schmutzlerzeche“ (Mittlerer Stollen).

Nach etwa einem Kilometer trifft der Fränkische Gebirgsweg auf einen nach Sickenreuth führenden Weg. Hier halten Sie sich links, verlassen den Qualitätsweg und stoßen alsbald auf den über eine gut sichtbare Spitzkehre verlaufenden Westweg (weißes W auf rotem Grund). Auf ihn biegen Sie nach rechts in die Forststraße zur „Lichtenburg“ und zum „Goldenen Hirsch“ ein und überqueren sogleich das Bächlein Kronach. Nach etwa einem Kilometer erreichen Sie die sogenannte Lichtenburg. In der Überlieferung soll es dort eine Burg gegeben haben. Steinreste wurden gefunden - eine klare Zuordnung fand bisher jedoch nicht statt. Der Talblick zeigt jedoch, dass es ein strategisch sinnvoller Platz gewesen wäre, um die Lagerstätte beidseits der Kronach zu überwachen. Auf dem Forstweg geht es weiter bis zu einer alten großen Kreuzung – dem „Bahnhof“ der Holzfuhrwerke vergangener Zeiten. In einem weiten Bogen nach rechts biegen Sie in die talwärts führende Straße nach Nemmersdorf ein. Orientieren Sie sich an Wanderweg 5 und an den Wegweisern  zum FGV–Heim und nach Nemmersdorf. Links der steil bergab führenden Forststraße sehen Sie im Wald große Überreste des Bergbaues am „Goldenen Hirsch“. Sie stammen aus der Brandenburger Zeit nach 1603, sind also noch nicht alt und deshalb so gut erhalten. Ein Streifzug durch den Wald lohnt sich. Auch der tief eingeschnittene, kleine Seelochbach ist einen Blick wert.

Am Ende des Waldes beginnt die Asphaltstraße nach Nemmersdorf. Genießen Sie den Panoramablick über das nordöstliche „Fränkische Bruchschollenland“ nach Himmelkron, Neuenmarkt und Kupferberg und bei klarer Sicht weiter bis zum Großen Kordigast im Raum Burgkunstadt-Weismain. Rechts hebt sich deutlich die bewaldete Kante des Grundgebirges heraus. Das vulkanische Gestein an der Bruchkante wird in Bad Berneck und Kupferberg in Steinbrüchen gewonnen. Nun geht es bergab bis zum FGV–Heim, zunächst aber weiter auf der Straße. Dem Wegweiser folgend (Wanderweg 5) biegen Sie nach einer langgezogenen Linkskurve rechts in einen Feldweg ein. Am Gehölzrand entlang kommen Sie nach ca. 300 m (Hinweisschild) zu einem schmalen Pfad, der rechts hinunter führt zum Vereinsheim der Ortsgruppe Nemmersdorf. Nach Vereinbarung (Tel. 09208/9927) können Sie hier einkehren. Auf dem Königsheideweg und der Reuther Straße geht es zurück nach Goldkronach. Hierzu gehen Sie ca. 200 m Richtung Nemmersdorfer Ortsmitte. Beim Hinweisschild „Haag“ biegen Sie rechts ein und folgen dem auf der Asphaltstraße verlaufenden Rundwanderweg 2 am gesamten Neubaugebiet entlang. Ca. 700 m später zweigt der Weg nach einer langgezogenen Rechtskurve nach links Richtung Goldkronach auf einen landwirtschaftlichen Fahrweg ab. Nach etwa 150 m beginnt rechts auf einer Länge von 100 m ein kleiner Steilhang Rotliegendes. Noch einmal nach 300 m überqueren Sie eine Asphaltstraße und gehen in der Richtung bleibend weitere 400 m bis zur Kellergasse. Man erkennt sie leicht. Infotafeln erklären die Besonderheiten dieser in den Buntsandstein gehauenen Keller. Führungen von Gruppen sind nach Vereinbarung möglich. Von hier aus gelangen Sie nach 200 m zur Hauptstraße und zum Goldbergbau-Museum.

Erläuterungen:

Die Erdkruste ist eine feste Hülle, die sich mit zunehmender Erkaltung der Erde gebildet hat. Sie ist keine geschlossene Schale, sondern besteht aus Bruchstücken - aus „ Platten“, die sich bewegen, anstoßen und dadurch Erdbeben erzeugen und Gebirge auffalten. Zuerst war es das riesige „Gondwana“ und jetzt drückt ein Teilstück davon, die „Afrikanische Platte“, mit stetiger, gewaltiger Schubkraft gegen die „Eurasische Platte“, die nicht weicht. Wir sind mitten drin. Hier ging einst das „Variskische Gebirge“ durch. Es war ein Hochgebirge, das von den Azoren bis zum Ural reichte, aber nur noch verwittert und abgetragen als „Grundgebirge“ existiert. Die Verwitterungsmasse ist das „Rotliegende“. Jetzt entstehen die „Alpen“. Einer der größten und ältesten Brüche in der Erdkruste Deutschlands, die „Fränkische Linie“, ist eine Folge dieses Druckes. Hier schieben sich Jahrmillionen später entstandene Schichten des „Deckgebirges“ unter das viel ältere Grundgebirge aus dem Erdaltertum - das Grundgebirge wird angehoben. Dieser Umbau wird als „Aufschiebung“ bezeichnet und bewirkt, dass man am Markt im Keuper (Erdmittelalter) beginnt und hinauf auf die Höhen über das Devon zum Ordovizium (Erdaltertum) wandert. Dabei legt man in etwas mehr als einer halben Stunde eine Zeitdifferenz von ca. 300 Millionen Jahren zurück.

Die Goldlagerstätte befindet sich hinter der Fränkischen Linie im aufgeschobenen Grundgebirge. Hier sieht man die Wirkung der Schubkraft. Ursprünglich waagerecht abgelagerte mächtige Sedimentschichten verschiedener Erdzeitalter wurden zu gewaltigen Falten verformt - in Aufschlüssen sieht man steil bis senkrecht verstellte Abschnitte davon. Der Vorgang reichte bis in die tiefe Erdkruste. Vom Pressdruck spalteten sich die Sedimentschichten auf. In die entstandenen Hohlräume drang Quarz mit kleinen Goldpartikeln (Primärgold) ein. Die Erosion trug das darüber liegende Deckgebirge (Kreide, Jura, Trias) ab. Nun waren die gespaltenen und geklüfteten, zerscherten Schichten des Devon, Silur und Ordoviziums den aggressiven atmosphärischen Einflüssen ausgesetzt. Im „Oberen Tannenschacht“ liegen sie auf eine Tiefe von ca. 8 m sichtbar offen. Der Sauerstoff des Niederschlagswassers und die organischen Substanzen der Vegetation (Huminsäuren) erzeugen chemische Reaktionen (Oxidation) und neue Verbindungen bei Mineralen und Erzen. Gold als „Edelmetall“ wird chemisch nicht verändert, jedoch gelöst (Abreicherung = in kleinste Partikel zerlegt) und somit mobilisiert (im fließenden Wasser beweglich).

Nun beginnt - zunächst im Zoppatenbach - die Geschichte des Bergbaues. Die „Alten“ seiften das Gold im Fließgewässer. Hier kommen kleine Goldpartikel an, treffen auf schon vorhandene größere Goldkörnchen und lagern sich an. Die Goldkörnchen wachsen, und dauert der Vorgang lange genug, werden sie immer größer ( Anreicherung = Sekundärgold ). Die „Alten“ suchten aber auch an den Hängen links und rechts und hatten Erfolg – zum Seifen kam nun der Abbau im Berg. Dabei erzielten sie die größte Ausbeute in den nassesten Stollen. Die senkrecht oder steil stehenden Klüfte lassen das Oberflächenwasser direkt nach unten fließen. In den oberen Gesteinsschichten gelöstes, mobiles Gold nimmt den gleichen Weg, trifft in tieferen Bereichen auf ein chemisch neutraleres Milieu und versammelt sich hier zu größeren Körnchen. Im ältesten Bericht von 1477 heißt es: „Item die neuen Gruben zu Cronach angefangen sind. Die Erste hieß der Ostertagck, da hieb man die schönsten Goldtgäng innen, die jetzt auf diesen Berg gehauen sind, darinnen sahe man gediegen Gold stehen, größer dann die Hanff–Körner, und wir machten ersten ein Gold, das hat 121 fl., da trieb uns das Waßer davon, …“ 1. Der Bericht gibt den Zustand um 1420 wieder. Die Grube „Ostertag“ liegt etwa 800 m unterhalb des „Oberen Tannenschachtes“, der wegen seiner „Wassernötigkeit“ bekanntere „Weiberfeind“ (ursprünglich bis etwa 1550 „Fotzenfeind“) in der Mitte der Distanz.

Der Vorgang der Anreicherung beginnt hinter der Fränkischen Linie nicht erst im Bach, sondern schon mit dem Wasser in den Klüftungen des Berges. Die Bergleute gingen zwar immer den Quarzgängen nach, suchten jedoch die Anreicherungsnester des Sekundärgoldes. Das konnten sie z.B. an den vom Eisen braun verfärbten Spalten erkennen. Dort war Wasser eingesickert, hatte Eisenoxid mitgebracht – also konnte auch Gold dabei sein, das sich allerdings oft in Gesellschaft von Eisen und Schwefel (Katzengold = Pyrit) oder Arsen und Schwefel befand. Die winzigen Flitterchen des noch fest im Quarz eingebetteten gediegenen Primärgoldes waren uninteressant, außerdem nicht zu gewinnen. Dieser Quarz konnte erst mit der ab 1563 hier eingeführten Nasspochtechnik ausreichend zerkleinert werden. Die bisher benutzte Mühle in Goldmühl schaffte das nicht. Sie wurde 1563 „abgeworfen“ = stillgelegt. Bis dahin kippte man den primären, goldhaltigen Quarz auf Halde. Weil die Suche nach dem früher so reichhaltig gefundenen Sekundärgold immer erfolgloser wurde, ging man jetzt dazu über, das bisher weggeworfene Primärgold zu gewinnen. Nun wurden auch die Halden „durchgekuttet“.

 

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Quellen:

1) Staatsarchiv Bamberg C2 1360, Berglehenbuch von 1477

  • Aufstieg: 381 hm

  • Länge der Tour: 10,8 km

  • Höchster Punkt: 684 m

  • Differenz: 245 hm

  • Niedrigster Punkt: 439 m

Difficulty

easy

Panoramic view

moderate

Saisonale Eignung

geeignet witterungsbedingt nicht geeignet unbekannt
  • JAN

  • FEB

  • MRZ

  • APR

  • MAI

  • JUN

  • JUL

  • AUG

  • SEP

  • OKT

  • NOV

  • DEZ

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